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Australian Open 2018 – was ist eigentlich das Spannende bei einem Juniorenwettbewerb?

von Simone Kemler

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Einmal Melbourne und zurück . . . im Tennis auf jeden Fall im Januar immer eine ganz lohnende Adresse . . . Melbourne Park, die Australian Open, Atmosphäre erleben, Erfahrungen sammeln, Eindrücke gewinnen, dem eigenen Traum ein Stückchen näher kommen.

Egal wer, die Beckers, Federers, Grafs oder Kerbers – sie alle sind auch bei diesen Wettbewerben angetreten und haben vor der großen Kulisse gespielt. Alleine das Wissen darum, dass die gesamte Anlage an Spitzentagen während eines gesamten Spieltages, d.h. incl. Day und Nightsession von rund 85.000 Menschen besucht wird, zeigt so in etwa das Ausmaß des Eindruckes, der auf die jugendlichen Tennisspieler und Tennisspielerinnen einprasselt.

Richtig, wer Profi werden will, der muss das ( und mehr ) aushalten können, aber das ist genau der Vorgeschmack auf das, was einen dann auf der Profitour erwartet, “es wäre schön, wenn dieses Jahr noch mehr Deutsche dabei wären, im Einzel bin ich hier ganz alleine” beschreibt Rudolf “Rudi” Molleker seine ersten Eindrücke zum Turnier. Der sympathische junge Mann, der für den LTTC Rot Weiß Berlin an den Start geht, bestreitet 2018 seine letzte Saison als Junior und will dieses Jahr dazu nutzen, insbesondere auf der Challenger Tour noch mehr Turnierpraxis zu sammeln.

Rudi Molleker. Foto: Vanessa Taylor

Sein Einstieg in die Australian Open in diesem Jahr war erfolgreich, in der ersten Runde gewann Molleker gegen die Nummer 16 der Setzliste, Tomas Machac (CZE) in zwei Sätzen 6:3 und 6:7 (5).

Runde zwei gegen den Chinesen Tao Mu forderte Molleker dann eine Menge ab, nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes, denn eine Menge Zuschauer beklatschten Doppelfehler und verhielten sich auch sonst während des Matches nicht unbedingt fair, aber ‘Rudi’ zeigt stählerne Nerven. Nachdem er den ersten Durchgang im Tiebreak abgegeben hatte, vergab Molleker insgesamt zwölf Satzbälle, bevor er dann Satz 2 ebenfalls im Tiebreak für sich entschied. Der dritte Durchgang lief dann etwas leichter und Rudi Molleker stand mit 6:7 (3) 7:6 (14) und 6:3 in Runde zwei.

In Runde 3 wartete dann Marko Miladinovic. Der Serbe, an Nummer 2 gesetzt, sollte für Rudi Molleker dann der erste größere Stolperstein bedeuten.

“Eigentlich bin ich an meiner eigenen Ungeduld gescheitert und daran, dass ich mir selber viel zu viel Druck gemacht habe”, resümiert der Berliner die 3:6 und 4:6 Niederlage und damit sein Ausscheiden aus dem Einzelwettbewerb.

Molleker musste sich aber nicht allzu lange “ärgern”, denn “eigentlich war das Turnier dann für mich zu Ende, und so bin ich dann doch ziemlich locker ins Doppel gegangen” – und das mit Erfolg. Der Einsatz eines rein deutschen Doppels war so nicht unbedingt geplant, denn Henri Squire, rutschte als Doppel-Alternate ins Feld, und so stand dann das deutsche Doppel Rudi Molleker/Henri Squire auf dem Platz.

Henri Squire. Foto: Vanessa Taylor

Für den Düsseldorfer war das die Premiere ‘Down Under’ und es brauchte einen Satz um die Anfangsnervosität in der Partie gegen Admir Kalendar (CRO) und Daniel Michalski (POL) abzulegen. “Danach haben wir dann aber viel zusammen gesprochen und es lief besser, grundsätzlich waren wir die Besseren auf dem Platz”, resümiert Rudi Molleker den Sieg (6:3 3:6 und Match-Tiebreak 10:4) und somit erfolgreichen Einstieg in das Junioren-Doppelturnier.

Match Nummer 2 gegen die Paarung Formin (UZB)/Lyeons (USA) verlief dann mit 7:5 und 6:2 deutlich routinierter und glatter, was Henri Squire auch anschließlich bestätigte. Squire lebt in Düsseldorf und spielt dort für den TC Kaiserswerth, trainiert wird er noch von seinem australischen Vater, was sich aber im Verlaufe des Jahres ändern soll, denn auch Squire kann nur noch 2018 im Juniorenbereich spielen.

“Ich möchte gerne auf jeden Fall bei den Grand Slams noch bei den Junioren spielen, da bin ich dann eher direkt im Hauptfeld dabei, das finde ich noch ganz gut.”

Ansonsten warten, neben den Ligaspielen für Kaiserswerth, auch noch einige ITF -Turniere auf Henri.

Henri Squires und Rudi Molleker. Foto: Vanessa Taylor

In Melbourne stand aber erst noch das Viertelfinale für das Junioren-Doppel an – die deutsche Paarung bekam es mit Philip Henning (RSA) und Andrew Paulson (CZE) zu tun. Mittlerweile immer besser eingespielt, stellte dieses Duo dann eher kein Problem dar und es gelang ein weiterer Sieg (6:7 7:5 10:5) und nachdem dann auch die rumänisch/argentinische Paarung Jianu/Tirante mit 6:2 und 6:3 geschlagen war, standen Rudi Molleker und Henri Squire im Doppel-Finale des Juniorenwettbewerbs der Australian Open 2018.

Dort stand dann in der Margret Court Arena das Finale gegen die an Nummer 7 gesetzten Franzosen Clement Tabur und Hugo Gaston an und leider passte dieses Mal nicht viel zusammen für die beiden jungen Deutschen – nach nur 41 Minuten hieß es 6:2 und 6:2 für die Franzosen.

“Wir möchten uns insbesondere bei unserem Team bedanken, es ist klein, nur drei Personen – aber wir haben hier in dieser Arena eine tolle Erfahrung gemacht”, zeigte sich Molleker nach der Partie doch ganz positiv gestimmt.

Ähnlich ging es seinem Partner Henri: “Ich bin zum ersten Mal hier in Melbourne dabei und es war schon eine super Sache für mich.” Die Beiden werden nach diesem Erfolg, denn das darf man als Fazit sicher resümieren, direkt nach Hause fliegen, “ich muss noch ‘was für die Schule tun.” kommentiert Henri die nächsten Wochen.

“Ich habe jetzt eine Woche frei, dann zwei Wochen Training, und dann entscheiden wir, wohin es geht – evtl. Asien.” beschreibt Rudi Molleker die weiteren Pläne.

Rudi Molleker und Henri Squire. Foto: Vanessa Taylor

Also, was ist dann das Spannende bei den Juniorenwettbewerb? In erster Linie sicherlich das Tennis. Fans schauen während der Turniertage regelmäßig bei Grand Slams gezielt nach Juniorenmatches und dürfen schon wirklich gutes Tennis erwarten. Sicherlich fehlt hier und da noch die Sicherheit sowie Routine und Erfahrung, aber sehenswert sind die Matches allemal. Außerdem bekommt man einen Eindruck davon, wie professionell schon in jungen Jahren gearbeitet wird. Für die jungen Akteure geht es um Matchpraxis und Turniererfahrung, wo sonst, wenn nicht bei einem Grand Slam Turnier, erlebt man ‘die Spitze’ der Branche und bekommt Eindrücke davon, was einen dann später erwartet.

Vielleicht wäre es also für Fans zukünftig nicht nur bei Grand Slams, sondern generell eine Idee, mal bei Junioren-Wettbewerben etwas genauer hin zu sehen, denn wer weiß, was aus dem erfolgreichen Nachwuchs von heute noch einmal werden wird.

Also, was ist dann das Spannende bei den Juniorenwettbewerb? In erster Linie sicherlich das Tennis. Fans schauen während der Turniertage regelmäßig bei Grand Slams gezielt nach Juniorenmatches und dürfen schon wirklich gutes Tennis erwarten.

Sicherlich fehlt hier und da noch die Sicherheit sowie Routine und Erfahrung, aber sehenswert sind die Matches allemal. Außerdem bekommt man einen Eindruck davon, wie professionell schon in jungen Jahren gearbeitet wird. Für die jungen Akteure geht es um Matchpraxis und Turniererfahrung, wo sonst, wenn nicht bei einem Grand Slam Turnier, erlebt man ‘die Spitze’ der Branche und bekommt Eindrücke davon, was einen dann später erwartet.

Vielleicht wäre es also für Fans zukünftig nicht nur bei Grand Slams, sondern generell eine Idee, mal bei Junioren-Wettbewerben etwas genauer hin zu sehen, denn wer weiß, was aus dem erfolgreichen Nachwuchs von heute noch einmal werden wird.

Titelfoto von Vanessa Taylor

This article was originally published in Deutsche Tennis Zeitung.

Update May 2024

Henri Squire, der derzeit auf Platz 221 der Weltrangliste geführt wird, hat in 2024 sein erstes Tennismatch überhaupt bei einem Grand Slam in Paris bei den French Open gewonnen. Nachdem er sich in Roland Garros durch das Qualifikationsturnier gekämpft hatte, schlug er den Australier Max Purcell in einem 5-Satz Krimi mit 6-2, 6-2, 3-6, 4-6, 7-6 (12-10) in einer reiner Spielzeit von drei Stunden und 21 Minuten. Purcell hatte es dabei bei eigenem Aufschlag in der Hand, das Match für sich zu entscheiden, zwang Squire dazu insgesamt sechs Matchbälle abzuwehren, bevor sich der junge Deutsche schließlich durchsetzte und die Partie für sich entschied.

Am nächsten Tag bekam er für diesen Erfolg noch ein zusätzliche Belohnung in Form einer Wild Card für das Hauptfeld der Terra Wortmann Open (ATP 500), die ihm von Turnierdirektor Ralf Weber zugesprochen wurde.

„Henri hat in Paris bisher eine Wahnsinns-Leistung abgeliefert. Er war schon zuvor ein Kandidat für eine Wildcard und beweist gerade eindrucksvoll, dass er diese absolut verdient hat.“

Currently ranked 221 in the world, Henri Squire, won his first grand slam match at Roland Garros. After playing his way through qualifying, he defeated Australian Max Purcell, 6-2, 6-2, 3-6, 4-6, 7-6 (12-10), in 3 hours and 21 minutes, not including the two lengthy rain delays. Purcell had served for the match and Squire was forced to defend six match points.

The next day, Terra Wortmann Open director Ralf Weber announced that Squire would receive a wild card into the ATP 500 in June.

“Henri has delivered an incredible performance in Paris so far. He was already a candidate for a wildcard and is currently proving that he absolutely deserves it.”

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